

Eigenmietwert: Steuerkuriosität oder bald Geschichte?
Immobilienfinanzierung 2025:
Warum Geduld gerade Gold wert ist
Stellen Sie sich vor, Sie zahlen Miete an … sich selbst. Klingt schräg? Willkommen in der Welt des Eigenmietwerts, einer typisch schweizerischen Erfindung, die seit über 100 Jahren für Kopfschütteln, Steueroptimierungen und hitzige Stammtisch-Debatten sorgt.

Was ist der Eigenmietwert?
Kurz gesagt: Wer im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung wohnt, muss so tun, als würde er Miete zahlen und diesen Betrag als Einkommen versteuern. Steuerlich wird also ein fiktiver Vorteil ausgeglichen: Mieter:innen zahlen ihre Miete aus versteuertem Geld, Eigentümer:innen wohnen «gratis».
Wie hoch dieser Betrag ist? Meist 60–70 % der Marktmiete. Oder in Alltagssprache: Der Staat schätzt, was Sie von sich selbst verlangen könnten, wenn Sie sich selbst Ihre Wohnung vermieten würden.
Warum gerade jetzt wieder so aktuell?
Am 28. September 2025 stimmt die Schweiz darüber ab, ob der Eigenmietwert abgeschafft wird.
Im Paket:
- Schluss mit der Eigenmiete auf Erst- und Zweitwohnungen.
- Gleichzeitig: weniger Steuerabzüge (Hypothekarzinsen, Unterhalt, Renovationen).
- Kantone dürfen neu eine Zweitwohnungssteuer einführen, um Einnahmen zu sichern.
Falls angenommen, würde das voraussichtlich ab 2028 gelten.
Wer will was?
- Für ein Ja: Bürgerliche Parteien, Hauseigentümerverbände. Argumente: Gerechtigkeit, Vereinfachung, Ende der Besteuerung «nicht existierender» Einkommen.
- Für ein Nein: SP, Grüne, Mieterverband, Städte und Gemeinden. Argumente: Milliardenlöcher in Budgets, Steuerprivilegien für Vermögende.
Erste Umfragen sehen eine Mehrheit pro Abschaffung – entschieden ist es aber noch nicht.
Wen trifft’s wie?
- Pensionierte Eigentümer:innen: Häufig kaum Hypothek, kaum Abzüge – die Abschaffung wäre eine Entlastung.
- Verschuldete Eigentümer:innen: Wer mit Hypotheken und Abzügen optimierte, könnte nach einem Systemwechsel tendenziell schlechter fahren.
- Mieter:innen: Indirekt betroffen – die Debatte dreht sich um die Frage, wer ein allfälliges Steuerloch füllt.
Und was sagt das Bauchgefühl?
Der Eigenmietwert ist ein Paradebeispiel helvetischer Kompromisskultur: beliebt ist er nicht, überlebt hat er
trotzdem – seit über einem Jahrhundert. Ob er bald Geschichte ist, entscheidet das Stimmvolk. Vielleicht verschwindet
der jährliche «Tribut an den lieben Vermieter Ich» in Zukunft ins Kuriositätenkabinett – vielleicht auch nicht.
Was sonst noch drin steckt
- Entlastung bei den Steuerämtern: Weniger Berechnungen und Kontrollen, wenn das komplexe System entfällt – potenziell tiefere Verwaltungskosten.
- Banken unter Druck: Viele behalten Mini-Hypotheken nur für den Schuldzinsabzug. Fällt der Anreiz weg, werden Kleinstkredite abgelöst – gut für Eigentümer, weniger margenstark für Banken.
Was bleibt hängen?
Der Eigenmietwert ist kein trockenes Detail, sondern eine Frage von Gerechtigkeit, Milliarden und Emotionen.
Gute Immobilien- und Bewertungsberatung bedeutet darum: Zahlen verstehen und die Geschichten dahinter einordnen.
Wir behalten das Thema im Blick – damit Sie im Steuer-Dschungel nicht den Kompass verlieren.
👉 Ihre Meinung: Sind Sie Team «Eigenmiete abschaffen» oder Team «lieber so lassen»?
Schreiben Sie uns – wir sind gespannt!






